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Der Hype um Odoo: Open Source ist nicht kostenlos

am 24. April 2026 von Fabian Wendel

Auf der Suche nach Alternativen rund um JTL WaWi taucht ein Begriff, ein Name immer mehr auf: Odoo. Auch das es Open Source und kostenlos ist. Nun, das ist nur die halbe Wahrheit.

Auch wir, die wir hier JTL WaWi einsetzen, sind bereits mit Odoo vertraut und haben es getestet. Für uns ist es leider keine Option - das hat ein Praxistest über mehrere Monate hinweg ergeben. Warum wir uns gegen Odoo entschieden haben kannst du hier und jetzt lesen.

Odoo ist kostenlos und Open Source?

Das cloudbasierte ERP System Odoo ist in der Tat Open Source, doch kostenlos ist es nicht. Viele verbinden Open Source automatisch mit kostenlos, doch das ist eben nur die halbe Wahrheit. Ja, Odoo gibt es als Community Edition (CE), kann kostenlos heruntergeladen, installiert und betrieben werden. Doch dann hat man nur das Basis-System mit den nativen Möglichkeiten. In Odoo CE fehlen wichtige Dinge, die ein ERP haben muss und wenn man diese haben will, dann landet man automatisch in der Enterprise-Version die mit rund 400 Euro pro Jahr und Nutzer zu Buche schlägt.

Odoo Community Editon kann viel, aber was fehlt sind

  • Immutable Storage - die Unveränderlichkeit von Belegen/Daten, welche nach GoBD ein MUST-HAVE ist.
  • DHL Paket / GLS / DPD / Hermes - einfache Versandmöglichkeiten sind nur per kostenpflichtiger Plugins möglich und erfordern API-Zugangsdaten und Einrichtungsaufwand. Alternativ dazu steht nativ Sendcloud als Middleware zur Verfügung, was aber neben den Versandkosten an sich auch Zusatzkosten in Form einer Pauschale und zusätlicher Labelkosten zu Buche schlägt.
  • Studio - ein Feature von Odoo, die Masken anzupassen und Felder anzulegen - dies ist aber nur ein Nice-to-Have, aber eben nicht in der CE verfügbar

Das hieraus resultierende Fazit ist also logisch. Odoo CE ist für den gewerblichen Einsatz so nicht geeignet und muss entsprechend angepasst werden, damit man GoBD Konform ist. Oder man geht direkt auf die kostenpflichtige Enterprise-Version, die zwar ab günstigen 19 Euro pro Nutzer und Monat als Software-as-a-Service (SaaS) beginnt, aber ebenfalls keine Option ist, denn sobald man Erweiterungen braucht - und die braucht man - ist man in der OnPrem Variante, die dann 29 Euro pro Nutzer und Monat kostet. Die Preise gelten für das erste Jahr, ab dem zweiten Jahr ist man bei OnPrem schon bei 39 Euro pro Nutzer pro Monat.

Die zusätzlichen Kosten für Erweiterungen - jährlich

Um Odoo also für uns nutzen zu können braucht es die OnPrem Version was neben den Lizenzkosten pro Nutzer mit Kosten für Hosting und Wartung verbunden ist. Wenn man das selbst kann, dann ist das natürlich nicht so gewichtig als wenn man als eCommerce Unternehmen eine Odoo Agentur benötigt. Die langen nämlich auch nochmal richtig zu. Das ist ein anderes Thema - der aktuelle Hype um Odoo fördert natürlich das Angebot und lässt die Preise auch stark variieren. Ich habe mir verdeckt ein Angebot eingeholt und das war 5-stellig einmalig und 3-stellig monatlich und dieses 3-stellige war weder mit einer 1, noch einer 2 und auch keine 3 am Anfang. Hier die klare Empfehlung: mehrere Angebot einholen und nicht beim ersten Angebot zuschlagen.

Wie schon erwähnt - Odoo muss mit Erweiterungen ausgestattet werden, damit man es wirklich gebrauchen kann.

  • DHL ist ein Must Have (bei uns) und beginnt bei rund 100 Euro / Jahr. Warum pro Jahr? Nun, von Odoo gibt es jedes Jahr eine neue Version, will man dieses Update fahren müssen auch die Erweiterungen neu gekauft werden - sogar wenn man gerade mal ein Monat vorher erst "die alte" Version erworben hat.
  • Will man Shopify oder WooCommerce anbinden ist man schnell bei 500 Euro jährlich.
  • Marktplätze, auch wieder gute 200 Euro pro Marktplatz. Oder man setzt eine Middleware ein, die kostet aber ebenfalls rund 50-100 Euro / Monat.
  • IoT Box - damit Lieferscheine und Labels direkt aus dem Drucker kommen: 200 Euro jährlich. Dafür gibts auch Plugins als Alternative zur IoT Box, die die Dokumente durch eine andere Cloud an einen Drucker senden.

So günstig, wie es Viele darstellen ist Odoo also gar nicht, rechnet man alle Folgekosten zusammen.

Ist Odoo eine gute Wahl?

Odoo ist ein mächtiges ERP, es hat viele native Funktionen und auch einige Vorteile wie eine integrierte POS (Kasse) mit kostenlosem Cloud-TSE. Odoo ist für einige vielleicht wirklich eine sehr gute Wahl als Alternative von JTL WaWi, das will ich keinesfalls schlecht reden. Odoo ist auch sehr anpassungsfähig und kann auch in Eigenleistung erweitert werden durch individuelle Programmierung (Python). Das macht es in der Tat zu einer mächtigen Ausgangsbasis und das kann für einige in der Tat ein - wie sagt man doch so schön - "Gamechanger" sein.

Für uns ist Odoo nach monatelangem Test inklusive Enterprise-Lizenz und IoT-Box (damit Belege wie Lieferscheine und Labes direkt aus dem Drucker kommen), jedoch rausgefallen, da beispielsweise die Kosten den Nutzen und der Kompromisse damit einhergehend nicht gerechtfertigt haben und die Update-Politik (einmal im Jahr das große Update, sonst nix) einfach nicht gepasst haben.

Nochmals: für einige mag Odoo DIE Lösung sein und das will ich niemanden schlecht reden. Für uns hat sich gezeigt, dass wir mit Odoo nicht glücklich werden, weil wir es derart anpassen müssten, dass der Aufwand einer Eigenentwicklung gleich käme um unsere Prozesse perfekt abzubilden. In dieser Hinsicht ist es meine Meinung: wenn ich schon Zeit und Geld in die Hand nehme, dann will ich am Ende aber auch einen spürbaren Nutzen aus der Sache tragen ohne auch nur einen einzigen Kompromiss einzugehen.

Wie gesagt, wäge deine Anforderungen sorgfältig ab mit dem was du brauchst und dann kann Odoo in der Tat für dich eine lohnenswerte Option sein. Lass dich dazu gerne beraten.